Proben während der Corona-Pandemie? Na klar – mit Jamulus!

Das Dorf der Zupfmusiker
Das Dorf der Zupfmusiker

Wir befinden uns im Jahr 2021 n. Chr. und durch die Corona-Pandemie ist die Probenarbeit fast aller Orchester zum Erliegen gekommen. Aller Orchester? Nein! Ein paar unbeugsame Zupfer hören nicht auf, dem Corona-Virus Widerstand zu leisten und finden Alternativen…

Der obige Text kommt vielen Asterix-Fans sicher bekannt vor. Und so, wie die tapferen Gallier ihren Kampf gegen die Römer nicht aufgeben wollen, stemmen wir uns mit aller Kraft und vielen neuen Ideen gegen das Corona-Virus und dessen Einfluss auf unsere musikalische Arbeit.

Natürlich sind die Kontaktmöglichkeiten immer noch sehr beschränkt, oder die räumlichen Voraussetzungen mit Blick auf Abstandsregeln oder Mindestflächen pro Person aufgrund fehlender oder zu teurer großer Räume nicht – oder nur sehr schwer – umzusetzen.

Warum also nicht ein anderes Format für gemeinsame Proben ausprobieren?

Als Ersatz für persönliche Treffen haben sich Video-Konferenzsysteme wie Zoom, Teams, Jitsi, BigBlueButton usw. längst durchgesetzt. Anfangs begegneten viele diesen Systemen mit einer gewissen Skepsis, taten sich etwas schwer mit den technischen Voraussetzungen, also die Einrichtung/Nutzung am PC, Mac, Tablet oder Handy und Einstellungen für die Nutzung von Kamera und Mikrofon.

Die Mühen haben sich aber gelohnt: darüber sind viele virtuelle Treffen auch in größeren Gruppen mittlerweile selbstverständlich geworden.

Kann man so etwas nicht auch für das gemeinsame Musizieren verwenden?

Klare Antwort: JEIN. 😉

Was passiert da eigentlich?

Das eigene Gerät nimmt zunächst das Bild und den Ton auf und übersetzt dies in ein für den Computer verständliches Format. Dann erfolgt über das Internet die Übertragung zum Konferenz-Server (Zoom, …). Der mischt die Daten aller Teilnehmer zusammen und schickt das Ergebnis wieder über das Internet zu den Teilnehmern zurück. Deren Geräte übersetzen die erhaltenden Daten dann wieder zurück in Bild und Ton. Das alles dauert natürlich etwas. Bei sehr schnellen Computern und Internet-Verbindungen sind das vielleicht nur 50-200 Millisekunden, aber es kann auch schon mal bis zu einer Sekunde dauern. Die gesamten Verzögerungen zwischen der Aufnahme auf der einen Seite und der Wiedergabe auf der anderen Seite nennt man Latenz oder auch Gesamtverzögerung.

Um ohne spürbare Verzögerungen miteinander musizieren zu können, sollte die Latenz so gering wie möglich sein. Idealerweise nicht mehr als 50 Millisekunden.

In der Latenz enthalten ist auch die Dauer, die für die reine Übertragung der Daten vom eigenen Gerät bis zum Server und wieder zurück benötigt. Diese wird als Ping-Zeit bezeichnet und ist eine eine Kenngröße für die Erreichbarkeit des Servers.

Um die nicht immer gleichbleibende Verbindungs- bzw. Übertragungsqualität der Internet-Verbindungen auszugleichen, werden in vielen Verarbeitungsschritten oftmals kleine „Zwischenspeicher“ eingesetzt, die auch Puffer genannt werden. Die Daten werden dann vom Server zum eigenen Gerät geschickt, dort zuerst in einem Puffer zwischengespeichert und anschließend daraus „entnommen“ und verarbeitet.

Dabei kann es durch Störungen oder eine zu langsame Internet-Verbindung passieren, dass das eigene Gerät nicht schnell genug neue Daten vom Server erhält. Dann kommt es zu kurzen „Ausfällen“ (leere Puffer), die oftmals als Knacken wahrgenommen werden. Solche „Ausfälle“ werden als Drop Outs bezeichnet.

Die oben genannten Begriffe Ping-Zeit, Latenz bzw. Gesamtverzögerung, Puffer und Drop Outs werden einem beim Online-Musizieren häufig begegnen. Daher ist zumindest eine ungefähre Vorstellung von diesen Begriffen sehr hilfreich.

Warum dauert das eigentlich alles so lange?

Das liegt hauptsächlich an der komplexen Umsetzung der Bilder bzw. des Videos und der nicht für diesen Einsatzzweck (gleichzeitiges Reden vieler Teilnehmer) optimierten Systeme.

Ein gemeinsames Musizieren, bei dem man sich gegenseitig hören kann, ist so also nicht möglich. Durch die Latenzen hört jeder Teilnehmer die anderen zeitlich versetzt und es kommt zum totalen Durcheinander.

Daher kann man hier darauf zurückgreifen, dass nur einer seinen Ton zu allen anderen überträgt und die anderen MitspielerInnen sich stumm schalten. Dann kann man zumindest zu einer führenden Stimme mitspielen. Immerhin schon besser als nichts, aber es fehlt der Klang der anderen MitspielerInnen.

Genau hier kommt Jamulus ins Spiel!

Jamulus ist ein System, dass nur Ton überträgt und dafür entwickelt wurde, das viele Musiker gemeinsam musizieren können und sich auch gegenseitig hören können.

Damit haben auch schon große Ensembles mit 100 Musikern gemeinsam musiziert!

Zudem bietet Jamulus eine einfache Chat-Funktion an. Darüber kann man sich austauschen, falls es einmal zu Störungen bei der Ton-Übertragung kommen sollte.

Was ist das eigentlich für ein komischer Name? Vielleicht einfach eine Kombination von jammen (gemeinsam Musik machen) und cumulus cloud (Kumuluswolke). Das bezeichnet die Arbeitsweise von Jamulus nämlich sehr gut: man macht über die Cloud (Wolke; hier als Synonym für das Internet) gemeinsam Musik. 🙂

Bei Jamulus schicken alle Teilnehmer einer Session nur ihre eigenen Audio-Daten (Ton) an den Server. Dabei geben sie auch an, wie der Ton der anderen Teilnehmer für sie selbst zusammengestellt werden soll. Es werden also Lautstärke, Stummschaltung etc. für jeden einzelnen Teilnehmer individuell auf dem Server zusammengestellt und dann zurückgeschickt. Damit reduziert sich die zu übertragende Datenmenge enorm und die Latenzen können deutlich verringert werden.

Zudem ist Jamulus völlig kostenlos und für PC/Notebook (Windows), Mac und Linux verfügbar. Auch für Android-Geräte (Tablets/SmartPhones) gibt es bereits eine experimentelle Version bzw. App. Auf einem SmartPhone ist die Bedienung aufgrund der geringen Display-Größe allerdings etwas knifflig. Nur für iPads und iPhones gibt es noch keine Unterstützung in Form einer speziellen App, doch auch dafür haben wir unten eine Lösung beschrieben!

Eine Beschreibung von Jamulus und die erforderliche Software gibt es unter diesem Link. Nach der Installation sollte man sich unter diesem Link mit Jamulus ein wenig vertraut machen. Die vollständige (aktuell nur englischsprachige) Anleitung findet man unter diesem Link. In diesem YouTube-Video wird eine kurze Video-Anleitung zum Download und zur Installation sowohl für Windows 10 und macOS gegeben.

Was ist bei der Verwendung von Jamulus zu beachten?

Man muss alles versuchen, um die Latenzen so gering wie irgend möglich zu halten. Daher sollte man – sofern möglich – auf alles „Drahtlose“ verzichten:

  • Das wichtigste ist eine möglichst schnelle Internet-Verbindung. Die tatsächliche Geschwindigkeit der eigenen Internet-Verbindung kann z.B. mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur im Browser ermittelt werden. Die dort ermittelte Laufzeit ist identisch mit der oben erläuterten Ping-Zeit.
  • Durch die Verwendung von WLAN treten fast immer spürbare Latenzen auf. Diese hängen aber sehr stark vom jeweiligen WLAN und dem Zusammenspiel des eigenen Gerätes und seiner eingebauten WLAN-Hardware ab.
  • Als Grundregel kann man aber festhalten: idealerweise sein Gerät nicht per WLAN, sondern direkt mit einem Kabel am DSL-Router anschließen:
RJ45-Netzwerkkabel
RJ45-Netzwerkkabel
  • Wo dies nicht möglich ist, aber ein sehr schnelles und stabiles WLAN verfügbar ist, lohnt aber durchaus auch ein Test über WLAN.
  • Sofern das eigene Gerät (wie z.B. ein Android-Tablet) nur einen neuen USB C- oder einen älteren USB A-Anschluss aber keinen RJ45-Anschluss für ein Netzwerkkabel besitzt, können preiswerte Adapter wie ein USB C zu RJ45-Adapter oder ein USB C zu USB A-Adapter in Verbindung mit einem USB A zu RJ45-Adapter helfen, durch die eine deutlich schnellere und stabilere Netzwerkverbindung hergestellt werden kann:
  • Mit der Verwendung eines solchen Adapters und eines Netzwerkkabels konnte in einem eigenen Test mit einem Samsung Galaxy Tab S6 Lite die Latenz von ca. 120-135 Millisekunden über WLAN auf nur 36 Millisekunden reduziert werden. Diese über WLAN ermittelte Latenz von 120-135 Millisekunden ist für ein gemeinsames Musizieren viel zu hoch. Die über das Netzwerkkabel (LAN) ermittelte Latenz ist dafür hingegen sehr gut geeignet.
  • Mit einem SmartPhone Samsung Galaxy S20 im gleichen WLAN konnte hingegen eine sehr gute Latenz von unter 40 Millisekunden erreicht werden, so dass die oben genannte sehr hohe Latenz hier nicht auf das WLAN sondern auf das Tablet und die darin einbaute langsame WLAN-Hardware zurückzuführen ist.
  • Auf keinen Fall Lautsprecher verwenden, sondern immer Ohrhörer oder Kopfhörer. Ansonsten kommt es zu Rückkopplungen (lautes Pfeifen/Brummen) oder störende Echo-Effekte. Das eigene Mikrofon nimmt dabei die Töne aus dem Lautsprecher wieder auf und spielt diese zurück.
  • Keine drahtlosen Kopfhörer verwenden, sondern besser direkt per Kabel am Gerät angeschlossene Modelle. Auch die drahtlosen Kopfhörer tragen stark zur Erhöhung der Latenz bei.
  • Man kann zunächst mit einfachen und sehr günstigen Ohrhörern/Kopfhörern beginnen, die vielleicht dem eigenen SmartPhone beilagen.
  • Alternativ kann man auch höherwertige Kopfhörer wie z.B. den ohrumschließenden Sennheiser HD-300 Pro verwenden:
Sennheiser HD-300 Pro
Sennheiser HD-300 Pro
  • Sofern man zu zweit gemeinsam Jamulus über ein Gerät verwenden möchte, kann ein einfacher Y-Adapter den Anschluss von 2 Ohrhörern/Kopfhörern am eigenen Gerät ermöglichen. Solche Y-Adapter gibt es sowohl für die 3,5mm- als auch für die 6,3mm-Klinkenstecker bzw. -buchsen:
  • Sofern das eigene Gerät nur einen neuen USB C-Anschluss, aber keinen Kopfhörer-Anschluss mehr besitzt, kann ein USB C-Kopfhörer-Adapter helfen.
  • Diese gibt es in sehr vielen verschiedenen Ausführungen, mit und ohne zusätzliche Lademöglichkeit für das Gerät und auch in vielen verschiedenen Preisklassen:
USB C-Kopfhörer-Adapter mit zusätzlicher Lademöglichkeit

  • Sofern möglich, nicht das Mikrofon und den Kopfhörer-Ausgang des Geräts (PC/Notebook, Mac, …) nutzen, da die im Gerät verbaute Audio-Hardware oftmals viel zu langsam ist. Dafür gibt es optimierte externe Geräte: die sogenannten Audio-Interfaces.
  • Diese werden über USB an das eigene Gerät angeschlossen und bieten Anschlüsse für ein separates Mikrofon und einen Kopfhörer. Dann entfällt natürlich die Verwendung eines oben beschriebenen USB-Kopfhörer-Adapters.
  • Ob ein Audio-Interface über USB 2 (meistens schwarze Buchsen) oder USB 3 (meistens blaue Buchsen) angeschlossen wird, spielt keine Rolle. Die Datenmenge ist so gering, dass die Verwendung eines USB 3-Anschlusses hier keine Vorteile bringt.
  • Eine Liste von mit Jamulus kompatiblen Audio-Interfaces gibt es unter diesem Link. Wenn ein Audio-Interface hier nicht aufgeführt ist, bedeutet dies aber erst mal gar nichts. Dann gilt: ausprobieren!
  • Bei Mikrofonen gibt es eine enorm große Auswahl verschiedener Typen und Preisklassen von ca. 20 € bis über 3.000 € pro Mikrofon. Da es beim gemeinsamen Musizieren über Jamulus aber nicht auf eine professionelle und bestmögliche Studio-Qualität bei der Tonabnahme über das Mikrofon ankommt, kann problemlos ein preiswertes Mikrofon verwendet werden.
  • Die empfindlicheren Kondensatormikrofone werden gegenüber den dynamischen Mikrofonen bevorzugt. Bei der Verwendung von Kondensatormikrofonen ist allerdings zu beachten, dass diese zum Betrieb eine sogenannte Phantomspeisung benötigen. Dies ist in der Regel eine Spannungsversorgung von 48 Volt, die das Audio-Interface dann bereitstellen muss.
  • Bei der eigenen Verwendung von Jamulus wird gerne ein einzelnes Mikrofon aus dem sehr preiswerten Behringer C-2 Stereoset verwendet:
  • Das Wichtigste: immer wieder ausprobieren und bei anfänglichen Problemen nicht entmutigen lassen. Die Entwicklung von Jamulus geht immer weiter und das Programm wird immer besser. Wo es Hilfe gibt, ist am Ende dieser Seite beschrieben.

Welche Audio-Interfaces können empfohlen werden?

Disclaimer: hier werden keine verbindlichen Empfehlungen oder Funktions-Garantien gegeben, sondern ausschließlich eigene Erfahrungen berichtet.

Eigene Tests unter Windows 10 für die einfache Teilnahme an einer Jamulus-Session konnten bei geringen Ping-Zeiten (< 15 Millisekunden) mit dem preiswerten Handy-Recorder Zoom H2N und seinem Vorgänger Zoom H2 durchgeführt werden. Diese Geräte sind bei vielen Zupfern bekannt oder bereits vorhanden, die schon mal eine eigene Aufnahme erstellt haben.

Auch mit dem preiswerten Zoom H1N konnte eine relativ niedrige Latenz gemessen und bei Verwendung des ASIO4ALL-Treibers anstelle des Hersteller-Treibers gute Ergebnisse erzielt werden.

Diese Geräte sind kleine Universal-Genies mit sehr guten eingebauten Mikrofonen, Kopfhörer-Anschluss und einfacher Bedienung. Gerade die eingebauten Mikrofone erweisen sich hier als Vorteil, da nicht noch zusätzlich externe Mikrofone, Halter und Kabel erforderlich sind. Die Geräte bieten zudem die Möglichkeit für sehr gute Tonaufnahmen auf SD-Karten.

Für hohe Ansprüche an die Geschwindigkeit des Audio-Interfaces erweist das Steinberg UR22C sehr gute Dienste und ist auch als Bundle mit Mikrofon, Kopfhörer und allen erforderlichen Kabeln (aber ohne Mikrofon-Halterung!) erhältlich:

Steinberg UR22C
Steinberg UR22C

Wenn man sich solch ein Gerät zulegen möchte, lohnt eine Suche bei großen Versandhändlern wie Thomann oder Music Store, die sich auf Musiker-Euipment spezialisiert haben. Die Geräte werden dort oftmals deutlich günstiger angeboten als z.B. bei eBay oder Amazon.

Vor einer Anschaffung sollten auch die weiter unten aufgeführten Latenz-Messwerte einiger bekannter Audio-Interfaces beachtet werden. Je nach verfügbarem Budget sollte ein Gerät mit möglichst geringer Latenz gewählt werden, was aber auch in der Bedienung nicht zu komplex ist. Insbesondere bei etwas langsameren Internet-Verbindungen und/oder höheren Ping-Zeiten (> 15 ms) sollte ein schnelleres Audio-Interface bevorzugt werden.

Die Firma Zoom, als Hersteller von hochwertigen Audio-Geräten hat übrigens trotz Namensgleichheit nichts mit dem Hersteller des Video-Konferenzsystem Zoom zu tun 😉

Einige Hersteller bieten für ihre Audio-Interfaces eigene Treiber an. Diese können weitere Optimierung enthalten oder zusätzliche Funktionen bereitstellen. Alternativ kann oftmals der „Universal-Treiber“ ASIO4ALL verwendet werden. Es lohnt sich, beide Möglichkeiten auszuprobieren, um zu sehen, womit man selber die besten Ergebnisse erzielt. Manchmal ist der Universal-Treiber durchaus besser bzw. schneller als der des Herstellers. Sofern man bei Verwendung dieses Treibers keinen Ton hört, kann der unter Tipps und Tricks genannte Hinweis helfen.

Der Begriff ASIO taucht im Umfeld von Jamulus übrigens sehr oft auf. Dies bedeutet einfach Audio Stream Input/Output und ist ein Protokoll für die Übertragung von Ton-/Audio-Daten.

Welche Audio-Interfaces werden von anderen Zupfern erfolgreich eingesetzt?

Disclaimer: auch hier werden keine verbindlichen Empfehlungen oder Funktions-Garantien gegeben, sondern von Erfahrungen befreundeter Zupfer berichtet.

Für gehobenere Ansprüche wird gerne das oben bereits erwähnte Steinberg UR22C, das Focusrite Scarlett Solo Studio 3rd Gen oder das Focusrite Scarlett 2i2 Studio 3rd Gen eingesetzt. Beide sind auch als Bundle mit Mikrofon, Kopfhörer und allen erforderlichen Kabeln (aber ohne Mikrofon-Halterung!) erhältlich:

Sowohl das Steinberg UR22C oder das Focusrite Scarlett 2i2 Studio 3rd Gen bieten zudem die Möglichkeit zum Anschluss von 2 Mikrofonen.

Sofern eine Halterung für ein Mikrofon benötigt wird, gibt es z.B. von König & Meyer eine sehr große Auswahl von Mikrofonstativen, Schwenkarmen, Tischstative, Mikrofonarmen etc. Auch diese werden bei den oben genannten Versandhändlern oftmals weit unter dem empfohlenen Verkaufspreis des Herstellers angeboten.

Einige Orchester setzen auch auf eine sehr preiswerte Kombination von Kopfhörer, externes Mikrofon und einem Splitter-Kabel zum direkten Anschluss beider Geräte an den PC oder Mac. Diese Kombination ist bereits für unter 40 € erhältlich. Eine Gelegenheit für einen eigenen Test dieser Geräte hat sich bislang noch nicht ergeben.

Eine interessante Variante für die Teilnahme an Jamulus-Sessions kann auch die Verwendung einer sehr preiswerten externen Sound-Karte wie z.B. die Tonysa Computer Live V8-Soundkarte oder die Dpofirs Professionelle Externe Soundkarte sein. Diese Geräte sind schon für knapp 25 € erhältlich und erfordern lediglich noch ein passendes externes Mikrofon und einen Kopfhörer. Diese zusätzlichen Komponenten sollten in der preislichen Betrachtung nicht außer Acht gelassen werden. Eine Gelegenheit für einen eigenen Test dieser Geräte hat sich bislang noch nicht ergeben.

Es ist auch möglich, Jamulus auf einem Raspberry Pi (ein Mini-Computer mit Linux als Betriebssystem) zu installieren, was von Orchestern erfolgreich eingesetzt wird. Aber auch hierzu hat sich noch keine Gelegenheit für einen eigenen Test ergeben.

Sieht Jamulus auf allen Geräten gleich aus?

Fast! Bei dem Einsatz von Jamulus auf Geräten mit Windows oder auf einem Mac gibt es ein paar kleine Unterschiede. Diese zu kennen kann hilfreich sein, wenn man anderen Teilnehmern Hilfestellungen für die Bedienung oder für die Einstellungen geben möchte.

Unter Windows können z.B. die Fenster für das Programm, die Einstellungen usw. nebeneinander oder übereinander angeordnet werden:

Jamulus: Ansicht unter Windows
Jamulus: Ansicht unter Windows

Auf einem Mac hingegen ist die Menüzeile ganz oben (File, View, Edit, Help) und die einzelnen „Fenster“ werden hier als Registerkarten (Settings, Chat, Jamulus) dargestellt:

Jamulus: Ansicht unter macOS
Jamulus: Ansicht unter macOS

Auf einem Android-Gerät hingegen stehen einige Funktionen nur über das Menü rechts oben in der Ecke zur Verfügung und aus den Einstellungen etc. kommt man über den Zurück-Schalter wieder zum Hauptfenster:

Jamulus: Ansicht unter Android
Jamulus: Ansicht unter Android

Die Verwendung eines externen Audio-Interfaces scheint damit auch nicht möglich zu sein, so dass man hier auf das eingebaute Mikrofon und einen Kopfhörer angewiesen ist

Welche Regeln gibt es in einer Jamulus-Session?

So – jetzt hat man Jamulus installiert, die Einführung gelesen und möchte loslegen. Was ist noch zu beachten:

  • Jamulus ist ein offenes System, es gibt keine Zugangsbeschränkungen oder Anmeldungen.
  • Für einen Jamulus-Server kann beim Start durch seinen Administrator lediglich vorgegeben werden, wie viele Teilnehmer gleichzeitig eine Verbindung dazu herstellen dürfen.
  • Wenn man einen Jamulus-Server „findet“ und darauf noch ein Platz frei ist, kann man an der Session teilnehmen und reinhören oder mitmachen.
  • Über das Chat-Fenster von Jamulus kann mit den anderen Teilnehmern kommuniziert werden; z.B. bei Problemen mit dem Ton.
  • Im Chat-Fenster können aber nach dem Herstellen der Verbindung auch Hinweise/Regeln zur Nutzung dieses Servers angezeigt werden. Die sollten natürlich beachtet werden!
  • Wenn man seinen Kopfhörer am eigenen Audio-Interface angeschlossen hat, kann es vorkommen, dass man sich selbst als Echo hört. Dies liegt dann daran, dass man über sein Audio-Interface einerseits die eigene „Aufnahme“ (das wird oft als Direct Monitoring bezeichnet) hört und mit einer geringen Verzögerung auch diese über Jamulus zurückgespielte Aufnahme im Mix mit den anderen Teilnehmern. In diesem Fall sollte man bevorzugt das Direct Monitoring ausschalten oder notfalls in Jamulus seine eigene Lautstärke herunterregeln.
  • Selbstverständlich sollte man laufende Sessions nicht stören und sich selbst in Jamulus vor dem Herstellen einer Verbindung erst einmal stumm schalten.
  • Die Aufnahme einer Session ohne explizites Einverständnis aller anderen Teilnehmer geht natürlich gar nicht!

Öffentliche und private Server

  • Bevor man eine „Probe“ über einen öffentlichen Server durchführt, sollte man sich aber der rechtlichen Aspekte bewusst sein: dies könnte schon GEMA-pflichtig sein!
  • Neben vielen „öffentlichen“ Servern, die allen Teilnehmern weltweit angeboten werden, gibt es auch „private“ Server, die nur bei Kenntnis ihrer Namen verwendet werden können. Ansonsten gelten darauf aber die gleichen Regeln.
  • Einen eigenen „privaten“ oder „öffentlichen“ Server kann man sehr leicht selbst aufsetzen bzw. einfach starten. Dazu eignet sich das eigene Gerät (PC/Notebook/Mac), ein separater Server im Haus oder ein bei einem Provider angemieteter Server. Auch dazu ist auf der Jamulus-Webseite alles Relevante beschrieben.
  • Einige Anbieter wie melomax bieten auch direkt das stundenweise Mieten von „fertigen“ Jamulus-Servern kostenlos an. Dabei kann man sich aussuchen, in welchem Rechenzentrum der Server betrieben werden soll, was für die Minimierung von Ping-Zeiten sehr wichtig ist. Bei Bezahlung von sehr moderaten Preisen kann man Server natürlich auch für längere Zeit mieten oder ein zuvor gebuchtes „Zeitkontingent“ nach eigenem belieben „abspielen“ und den/die dazu gemieteten Server selber über ein Internet-Portal starten und stoppen. Je nach Preismodell muss das Anmieten eines Servers mit etwas Vorlaufzeit erfolgen.
  • Unter koord.live können ebenfalls direkt fertige Jamulus-Server bis zu 2 Stunden kostenlos und mit nur wenigen Minuten Vorlaufzeit gemietet werden. Hier ist allerdings zu beachten, dass diese Sessions durch den Anbieter aufgenommen werden. Diese Aufnahmen stehen zunächst nur demjenigen über einen Link zur Verfügung, der den Server gemietet hat. Die Teilnehmer einer Jamulus-Session werden mit einem deutlichen Hinweis oberhalb der Lautstärkeregler auf die aktivierte Aufnahme hingewiesen. Aktuell kann eine solche Aufnahme nicht selber vom Server des Anbieters gelöscht werden.
  • Für ungestörte und nicht-öffentliche Proben im eigenen Orchester steht ein privater Jamulus-Server zur Verfügung, dessen Name (oder Adresse) unten rechts im Verbindungs-Dialog einzugeben ist und den SpielerInnen des Orchesters bekannt ist.
  • Hierzu wird der Jamulus-Server auf einem NAS von Synology in einem Docker-Container betrieben, was ebenfalls sehr schnell einzurichten ist.

Wo bekommt man weitere Informationen zu Jamulus?

Im Internet gibt es sehr viel Informationen zu Jamulus, die man per Google oder über die Jamulus-Webseite findet.

Auch unter Facebook gibt es eine sehr aktive Jamulus-Gruppe, in der sehr viele Details besprochen und Lösungen für alle möglichen Probleme gefunden werden.

Eine gute und recht ausführliche Beschreibung gibt es auch unter diesem Link. Diese geht allerdings im Verlauf des Artikels immer mehr auf weitere Details und die Technik ein; Schritt 1 und vielleicht noch Teile von Schritt 2 sind da für den Anfang völlig ausreichend.

Bei Fragen, Problemen, Hilfe bei der Einrichtung oder gerne auch für Tests kommt bitte gerne auf mich (Robert Draken) zu. Ich helfe hier gerne weiter, sofern es die Zeit und meine Möglichkeiten erlauben. Alles rund um das Thema „Audio-Aufnahmen mit Jamulus“, „Detailanpassungen über Unix/Linux-Kommandozeile“ oder „Kombinationen mit DAWs“ gehören z.B. nicht zu meinen Interessen. Da ist man in der Jamulus-Gruppe bei Facebook sicherlich besser aufgehoben.

Die SpielerInnen im eigenen Orchester haben ja die Kontaktdaten und andere können sich gerne über das Kontaktformular melden.

Am einfachsten ist eine Unterstützung möglich, wenn dazu aus der Entfernung auf das eigene Gerät zugegriffen werden kann oder zumindest gesehen werden kann, was da passiert. Dazu bieten sich für den privaten Gebrauch kostenlose Hilfsprogramme wie TeamViewer oder VNC Server an, die für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar sind. Alternativ geht dies auch über eine Bildschirmfreigabe und Fernsteuerung über ein Video-Konferenzsystem wie z.B. Zoom.

Welche Vor- und Nachteile gibt es beim Musizieren über Jamulus?

Der Einsatz von Jamulus im eigenen Orchester bietet sehr viele Vorteile. Aber überall, wo es Vorteile gibt, existieren leider auch ein paar Nachteile, deren man sich bewusst sein muss.

Daher hier eine kurze Gegenüberstellung der bisherigen eigenen Erfahrungen.

Vorteile:

  • Ein gemeinsames Musizieren ist endlich wieder möglich.
  • Die anderen Mitspieler können von jedem gehört werden.
  • Ein Raumklang ist über die Panorama-/Stereo-Einstellungen möglich.
  • Dies geht auch zukünftig ohne Corona-bedingte Einschränkungen.
  • Auch weiter entfernte Spieler können problemlos an einer Probe teilnehmen.
  • Proben können so auch bei Sturm/Schnee durch Wegfall der An- und Abfahrt risikolos durchgeführt werden.
  • (Stimm-) Proben ohne Anfahrtswege/verfügbare Räume sind möglich!
  • Dies eignet sich auch zur Vorbereitung von kurzfristigen Auftritten wie z.B. bei Proben für Ständchen.

Nachteile:

  • Ein „persönliches Miteinander“ kann dadurch nicht ersetzt werden!
  • Es ist keine Gesten-basierte Interaktion zwischen Dirgent und/oder Spielern möglich.
  • Tempo-Änderungen und Dynamik-Angaben per Dirigat sind nicht möglich und müssen ggfs. per Sprachanweisungen sorgfältig einstudiert werden.
  • Für Dirigenten / musikalische Leiter eine ganz andere Art zu arbeiten.
  • Latenzen und eventuelle Störungen durch Drop-Outs können nie ganz vermieden werden.
  • Es besteht immer die Gefahr, dass die Teilnehmer durch die Latenzen langsamer werden, wenn sie auf „die anderen“ hören wollen.
  • Bei allen Teilnehmer ist eine hohe Disziplin und Konzentration erforderlich.

Fazit:

Ja – Proben über Jamulus ist anders und eventuell auch anstrengender. Aber es lohnt sich und bietet viele Möglichkeiten, die man vorher nicht hatte!

Wie geht es jetzt weiter?

Ganz einfach: Jamulus installieren, einlesen, ausprobieren, fragen – und loslegen!

Und wenn Jamulus nicht verwendet werden kann?

Jetzt kann es aber passieren, dass man Jamulus nicht nutzen kann, weil nur ein iPad oder iPhone zur Verfügung steht, die eigene Hardware oder das Audio-Interface einfach nicht mitspielen wollen, …

Was dann? In diesem Fall können wir den Ton und ggfs. ein Video von einer Jamulus-Probe auch über Zoom oder einem YouTube-Stream bereitstellen. Dabei sind dann alle über Jamulus teilnehmenden SpielerInnen zu hören. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass kein Ton von den per Zoom teilnehmenden SpielerInnen an die per Jamulus teilnehmenden SpielerInnen übertragen werden kann, da es dann zu Rückkopplungen kommen würde.

Die erforderlichen Zugangsdaten wie Meeting-ID oder YouTube-Link werden dann zuvor im Orchester bekannt gegeben.

Bereitstellung einer Jamulus-Session über Zoom – mit eigenem Layout und Einbettung des Kamera-Videos.
Bereitstellung der gleichen Jamulus-Session zusätzlich als YouTube-Stream.

Was ist für die Weiterleitung an Zoom und/oder YouTube erforderlich?

Hierfür sind die Anforderungen an ein Audio-Interface für denjenigen, der die Bereitstellung an Zoom oder über einen YouTube-Stream durchführt, schon etwas höher, sofern man unter Windows 10 nicht mit Hilfsprogrammen wie VoiceMeeter, JACK usw. tricksen will. Unter macOS soll dies anlog mit BlackHole funktionieren. Mit macOS liegen allerdings keine eigenen Erfahrungen bzw. Kenntnisse vor.

Das betrifft also nur eine Person im Orchester, die etwas mehr Spaß an Technik, Computern und den damit verbundenen Herausforderungen hat – und gerne deutlich mehr Zeit in solche nicht zu unterschätzenden Herausforderungen investieren möchte. 😉

Bei vielen Audio-Interfaces (bzw. den zugehörigen Windows-Treibern) besteht das Problem, dass diese immer nur von einem Programm gleichzeitig verwendet werden können. Also nicht gleichzeitig von Jamulus und dem Programm für die Weiterleitung an Zoom und/oder YouTube. Manchmal fehlt auch einfach die Funktionalität, um den Ton wieder am Computer bereitzustellen.

In diesem Fall sollte bei Verwendung von Windows 10 zunächst die unter Tipps & Tricks beschriebene Aufhebung der Blockierung von Aufnahme- und Wiedergabe-Geräten geprüft werden. Wenn auch dies nicht weiter hilft, kann vielleicht das unter Tipps & Tricks beschriebene Beispiel-Szenario mit Verwendung von VoiceMeeter helfen.

Wenn dieser Weg zu kompliziert und/oder fehleranfällig erscheint, kann die Investition in das auch selbst verwendete Zoom LiveTrak L-8 oder ein Test mit einem vielleicht schon vorhandenem Mischpult in Betracht gezogen werden. Damit kann vieles weitaus einfacher umgesetzt werden.

Dieses Gerät wurde bereits zuvor für Aufnahmen mit mehreren Mikrofonen und als Mischpult angeschafft und ist für die hier beschriebene Aufgabe sicher überdimensioniert. Es hat sich aber als sehr gut und äußerst flexibel erwiesen:

Zoom LiveTrak L-8

Dieses Gerät kann über den zugehörigen ASIO-Treiber in Jamulus als Eingabe und Ausgabe verwendet werden. Zusätzlich kann dessen Ausgabekanal auf das Mikrofon in Zoom gelegt werden, so dass der Ton aus der Jamulus-Session damit direkt in die Zoom-Session übertragen wird.

Für die Bereitstellung einer Jamulus-Session über Zoom und/oder als YouTube-Stream hat sich das kostenlose Programm OBS Studio als sehr gut und relativ einfach bedienbar erwiesen. Dazu gibt es z.B bei YouTube unter diesem Link ein sehr gutes 10-minütiges Einführungs-Video. Einen sehr ausführlich Komplettkurs mit enormen vielen Details gibt es in dieser Playlist.

Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten, Geräte, Hilfsprogramme usw. für die Bereitstellung einer Jamulus-Session auf anderen Plattformen.

Andere Zupfer konnten die Bereitstellung auf anderen Plattformen mit Hilfe der oben aufgeführten externen Sound-Karten realisieren.

Tipps & Tricks

Sortierung der Teilnehmer

Wenn mehrere Spieler an einer Jamulus-Session teilnehmen, kann die Teilnehmerliste schnell unübersichtlich werden. Im Hauptfenster wird jeder Teilnehmer als einzelner Kanal mit eigenem Regler für die Lautstärke (Fader) dargestellt. Um ein wenig Ordnung zu erhalten, kann unter dem Menüpunkt Bearbeiten eine Sortierung der Kanäle gewählt werden:

  • Keine Kanalsortierung
  • Sortierung nach dem Namen
  • Sortierung nach dem Instrument
  • Sortierung nach der Gruppe
  • Sortierung nach der Stadt

Nehmen wir einmal an, dass wir ein kleines Ensemble in dieser Besetzung haben, die vom Dirigenten aus gesehen „normalerweise“ von links nach rechts in dieser Reihenfolge sitzen:

  • Mandoline 1: Willi
  • Mandoline 2: Robert
  • Mandola: Elke
  • Gitarre: Kerstin
  • Bass: Uli

Wenn nun keine Kanalsortierung gewählt ist, werden die Teilnehmer einfach nach der Reihenfolge ihrer Verbindung angezeigt:

Jamulus: ohne Sortierung
Jamulus: ohne Sortierung

Man kann die Teilnehmer nun Gruppen zuweisen und danach sortieren. Wenn man dann einen Lautstärkeregler verändert, wird dies direkt für alle Mitglieder dieser Gruppe durchgeführt – sehr praktisch. Allerdings stehen nur 4 Gruppen zur Verfügung und diese können über die Oberfläche auch nicht erweitert oder umbenannt werden:

Jamulus: Sortierung nach Gruppe
Jamulus: Sortierung nach Gruppe

Am flexibelsten ist hier die Sortierung nach der Stadt: jeder Teilnehmer kann die Stadt in seinem Profil als Text beliebig eintragen. So kann man einfach die Teilnehmer in der gewünschten Reihenfolge durchnummerieren und die gewünschte Sortierung sehr einfach erreichen:

Jamulus: Sortierung nach Stadt
Jamulus: Sortierung nach Stadt

Tipp: bei der Sortierung beachten, dass hier nach Text sortiert wird. Damit werden zwar Zahlen von 0…9 „richtig“ sortiert, die 10 aber nach der 1 einsortiert. Daher ggfs. einfach führende Nullen verwenden, also 01, … 09, 10, 11, …

Alternativ zu dieser Sortierung über die Verwendung der Stadt im eigenen Profil kann das gleiche Resultat natürlich auch bei der Sortierung nach dem Namen erreicht werden, wenn diesem ein Präfix wie oben beschrieben vorangestellt wird.

Besonders interessant wird die richtige Sortierung, wenn von allen in den Einstellungen unter Audiokanäle der Wert Stereo verwendet wird: dann kann man über die Panorama-Regler (PAN) oberhalb der Lautstärkeregler, die einzelnen Stimmen im Stereo-Feld etwas weiter links oder rechts einordnen und so einen Raumklang (fast) wie im Orchester erreichen:

Jamulus: Panorama-Anpassung der Kanäle
Jamulus: Panorama-Anpassung der Kanäle

Verwendung von Stereo-/Panorama-Einstellungen

Im vorherigen Absatz wurden bereits die Stereo-Einstellungen und die Panorama-Regler beschrieben. Damit dies auch funktioniert, müssen aber einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Teilnehmer haben an ihrem Audio-Interface eine neutrale Stereo-/Panorama-Position (mittig) ausgewählt. Wenn dort z.B. die Aufnahme bzw. Ausgabe ausschließlich über den linken Stereo-Kanal erfolgt können andere Teilnehmer diesen Spieler bei Zuweisung in den rechten Stereo-Kanal über die Panorama-Regler in Jamulus nicht mehr hören.
  • Gleiches gilt für den Panorama-Regler der eigenen Aufnahme in Jamulus: der Pan-Schieberegler rechts neben dem eigenen Eingangs-Signal sollte wie in den obigen Bildern auf der mittleren Position stehen.

Aber auch wenn diese Bedingungen alle erfüllt sind, kann es vorkommen, dass nicht das gewünschte Ergebnis erreicht wird, da es eventuell noch andere Fehlerquellen gibt.

Speichern und erneutes Verwenden von Einstellungen

Sofern man in einer Jamulus-Session mit vielen Musikern gleichzeitig musiziert, können durch die Lautstärke- und Panorama-Einstellungen für jeden einzelnen Teilnehmer schnell viele mühsam optimierte individuelle Einstellungen zusammen kommen.

Wenn man diese zahlreichen Einstellungen nicht bei jeder Session neu einstellen möchte, können diese bei Verwendung von Windows 10 unter dem Menüpunkt Datei / Speichern der Konfiguration der Mixerkanäle… bzw. Speichern der Konfiguration der Mixerkanäle… einfach auf dem eigenen PC gespeichert werden und nach dem erneuten Herstellen der Verbindung zum Server/Probenraum darüber auch wieder geladen werden.

Prinzipiell kann eine solche gespeicherte Datei auch anderen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden, wenn alle die gleichen Einstellungen verwendet möchten. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass in dieser Datei dann auch die Namen der Teilnehmer, die sie in ihrem Profil angegeben haben, enthalten sind.

Vorsicht: Diese Daten können personenbezogene Daten im Sinne des BDSG oder DSGVO sein, so dass die für die Weitergabe bzw. Verarbeitung solcher Daten geltenden Vorschriften zu beachten sind. Daher sollte man sich gut überlegen, welche Daten man in seinem Profil angibt und ob nicht vielleicht nur der Vorname in Verbindung mit dem Instrument für die Identifikation unter den Teilnehmern der Jamulus-Session ausreichend ist.

Wenn man eine solche Datei mit einem Text-Editor betrachtet, wird man die Namen als personenbezogene Daten nicht direkt im Klartext finden. Diese sind Base64-codiert, was aber keine Verschlüsselung darstellt, sondern nur eine andere Darstellung/Codierung. Daher können diese Daten mit im Internet verfügbaren Tools sehr schnell in den Klartext übersetzt werden. Darüber lässt sich dann z.B. die Base64-codierte Zeichenfolge 3VzaSBTb3JnbG9z sofort in Susi Sorglos „übersetzen“. Daher dürfte diese andere Darstellung der Daten nichts an der Einordnung als personenbezogene Daten im Sinne des oben genannten Gesetztes/Verordnung ändern.

Kein Ton bei Verwendung des ASIO4ALL-Treibers

Wenn man bei Verwendung von Windows 10 zunächst das Mikrofon und/oder Kopfhörer-Ausgang am PC oder Laptop verwenden möchte, bietet sich der ASIO4ALL-Treiber dazu an. Dieser ermöglicht den Zugriff auf alle angeschlossenen Audio-Komponenten bzw. Audio-Anschlüsse am Gerät.

Dabei kann es aber sehr leicht passieren, dass man glaubt, ein externes Mikrofon und/oder Kopfhörer richtig angeschlossen zu haben, aber keinen Ton hört.

Dann verwendert der ASIO4ALL-Treiber vielleicht andere Anschlüsse. Um dies zu kontrollieren, ruft man in Jamulus zunächst die Einstellungen auf:

ASIO4ALL-Treiber: Einstellungen
ASIO4ALL-Treiber: Einstellungen

Von diesem Dialog aus, wechselt man über ASIO-Geräte-Einstellungen zu den Einstellungen des ASIO4ALL-Treibers:

ASIO4ALL-Treiber: Einfache Ansicht
ASIO4ALL-Treiber: Einfache Ansicht

Hier erkennt man, dass der ASIO4ALL-Treiber das Audio-Gerät Realtek High Definition Audio (das ist hier die im verwendeten PC integrierte Sound-Hardware) verwendet. Sollte daher OK sein, oder? Hmm, da kein Ton zu hören ist, stimmt offenbar etwas noch nicht und über den Schalter ganz rechts wird die erweiterte Ansicht für die Einstellungen des ASIO4ALL-Treibers eingeschaltet:

ASIO4ALL-Treiber: Erweiterte Ansicht
ASIO4ALL-Treiber: Erweiterte Ansicht

Hier ist nun zu erkennen, dass für dieses Audio-Gerät 8 verschiedene Anschlüsse aufgeführt sind. Das entspricht i.d.R. der Anzahl von Anschlüssen/Buchsen, die sowohl vorne als auch hinten oder an den Seiten des PCs/Laptops bereitgestellt werden, um eine Vielzahl unterschiedlicher Audio-Geräte anschließen zu können.

Im obigen Bild ist zu erkennen, dass der ASIO4ALL-Treiber z.B. den Mikrofon-Eingang hinten am PC verwendet, obwohl das Mikrofon aber vielleicht am vorderen Mikrofon-Eingang angeschlossen ist.

Diese erweiterte Ansicht wird je nach verbauter Audio-Hardware etwas anders aussehen. Insbesondere Audio-Interfaces/Mischpulte können hier eine sehr große Anzahl von Ein- und Ausgabe-Anschlüssen bereitstellen (i.d.R. ein Eintrag pro Kanal) .

In dieser Ansicht sind dann die tatsächlich zu verwendenden Anschlüsse einzuschalten – und sicherheitshalber alle anderen auszuschalten.

Kein Ton bei Verwendung eines Audio-Interfaces

Bei Verwendung des eigenen Audio-Interfaces kann es vorkommen, dass man zunächst über den daran angeschlossenen Kopfhörer keinen Ton hört.

Zuerst sollte geprüft werden, welche Art von Mikrofon am Audio-Interface verwendet wird. Hier werden oftmals entweder dynamische Mikrofone oder Kondensatormikrofone eingesetzt. Kondensatormikrofone sind meistens deutlich empfindlicher und werden daher bevorzugt eingesetzt. Sie benötigen aber eine Versorgungsspannung / Strom. Dies wird meistens als Phantomspeisung bezeichnet und in der Regel beträgt diese bei Mikrofonen 48 Volt. Wenn das Audio-Interface die Verwendung von Kondensatormikrofonen unterstützt, steht daran meistens ein Schalter zur Verfügung, um die Phantomspeisung einzuschalten. Dieser Schalter wird häufig mit 48V oder Phantom beschriftet. Sollte die Phantomspeisung nicht eingeschaltet sein, kann ein Kondensatormikrofon keinen Ton liefern.

Dann sind am Audio-Interface die Einstellungen für die Mikrofon-Empfindlichkeit bzw. den Mikrofonvorverstärker zu prüfen. Dieser Regler ist häufig mit Gain beschriftet und sollte so eingestellt sein, dass eine eventuell vorhandene Signalanzeige am Audio-Interface bei lautem Spiel im oberen Bereich liegt, aber eben noch nicht übersteuert. Viele Geräte zeigen dies durch einen farblichen Hinweis an: grün=OK, gelb/orange=etwas zu hoch, rot=übersteuert/zu hoch.

Viele Audio-Interfaces bieten zudem einen eigenen Lautstärkeregler für die angeschlossenen Kopfhörer an. Wenn dieser zu gering eingestellt ist, wird man natürlich auch bei allen anderen optimalen Einstellungen nichts oder nur sehr wenig hören.

Bei vielen Audio-Interfaces gibt es dann noch einen Lautstärkeregler für das Ausgangssignal, das via USB an den Computer bzw. Jamulus (und ggfs. wieder zurück an den Kopfhörer-Ausgang des Audio-Interfaces) übertragen wird. Wenn dieser Regler zu gering eingestellt ist, hört man sich zwar selber sehr gut über den am Gerät angeschlossenen Kopfhörer, aber die anderen Teilnehmen können einen nicht hören.

Wenn dies noch nicht weiter hilft, kann es auch an einigen Detail-Einstellungen in Jamulus bzw. im zugehörigen ASIO-Treiber für das Audio-Interface liegen.

Daher folgt anhand des Zoom H2N eine exemplarische Darstellung der Lösung bei Verwendung von Windows 10.

  • Prüfen, ob der aktuelle Treiber des Herstellers verwendet wird: Stereo ASIO Driver
  • ASIO-Geräte-Einstellungen / ASIO-Settings: die Buffer Size zunächst auf den geringsten Wert setzen und dann schrittweise erhöhen. Bei 192 Samples sollte in der Regel der Ton zu hören sein.
  • Kontrollieren, ob unter ASIO-Geräte-Einstellungen / Zoom H and F Series Audio die Sample Rate auf 48000 Hz steht.
  • Sofern die Verwendung des vom Hersteller bereitgestellten Treibers keine zufriedenstellenden Ergebnisse liefert, sollte alternativ die Verwendung des ASIO4ALL-Treibers ausprobiert werden.
Jamulus: Einstellungen für Zoom H2N
Jamulus: Einstellungen für Zoom H2N

Messung der Latenz des Audio-Interfaces

Bei der Anschaffung eines Audio-Interfaces ist neben dem Preis die durch das Gerät und dem zugehörigen ASIO-Treiber verursachte Latenz das wichtigste Auswahlkriterium. Von den Herstellern sind diese Angaben oftmals nicht erhältlich.

Man kann jedoch versuchen, diese mit dem RTL Ultility von Oblique Audio zu ermitteln:

  • ASIO-Geräte-Einstellungen / ASIO-Settings: die Buffer Size zunächst auf den geringsten Wert setzen und dann schrittweise erhöhen, bis der Ton in einer Jamulus-Session zu hören ist.
  • Das Tool starten und unter Device den ASIO-Treiber für das eigene Audio-Interface auswählen und die Active output channels/Active input channels analog zu Jamulus konfigurieren.
  • Die Sample rate sollte auf 48000 Hz und die Audio buffer size auf den zuvor eingestellten Wert.
  • Die Messung wird dann über Measure RTL gestartet.

Bei dem selbst verwendeten Zoom LiveTrak L-8 sieht das dann z.B. so aus:

"RTL Utility" von Oblique Audio zur Latenz-Messung
„RTL Utility“ von Oblique Audio zur Latenz-Messung

Latenz-Messwerte

Mit dem oben vorgestellten Tool konnten bislang diese Messwerte bei einer Sample rate von 48000 Hz ermittelt werden:

Audio-InterfacePreisBuffer sizeLatenz
Steinberg UR22C (Bundle)244€32 samples4 ms
Zoom LiveTrak L-8389€24 samples5 ms
Steinberg UR22 MK2129€32 samples5 ms
Focusrite Scarlett Solo Studio 3rd Gen (Bundle)215€64 samples8 ms
Focusrite Scarlett 2i2 3rd Gen (Bundle)249€64 samples8 ms
Zoom H1N86€128 samples21 ms
Zoom H6329€64 samples23 ms
Zoom H2N145€192 samples31 ms
Prodipe Studio 22 USB (zu hohe Latenz)89€512 samples44 ms
Übersicht über Messwerte von Audio-Interfaces (Preis zum Stand April 2021)

Blockierung von Aufnahme- und Wiedergabe-Geräten verhindern

Bei der der Weiterleitung einer Jamulus-Session unter Windows 10 nach Zoom oder YouTube kann es vorkommen, dass das eigene Audio-Interface nicht direkt bei den Einstellungen für die Weiterleitung verwendet werden kann, weil dies bereits durch eine andere Anwendung (Jamulus) blockiert wird.

In diesem Fall kann es helfen, in den Sound-Einstellungen den per Standard aktivierten exklusiven Zugriff auf das zugehörige Wiedergabe- und Aufnahmegerät zu deaktivieren:

Windows: Sound-Einstellungen öffnen
Windows: Sound-Einstellungen öffnen
Windows: Sound-Systemsteuerung öffnen
Windows: Sound-Systemsteuerung öffnen
Sound-Systemsteuerung: kein exklusiver Modus für Wiedergabe-Gerät
Sound-Systemsteuerung: kein exklusiver Modus für Wiedergabe-Gerät
Sound-Systemsteuerung: kein exklusiver Modus für Aufnahme-Gerät
Sound-Systemsteuerung: kein exklusiver Modus für Aufnahme-Gerät

Wie kann ich den Ton aus einer Jamulus-Session nach Zoom übertragen?

Sofern der ASIO-Treiber des eigenen Audio-Interfaces nicht direkt in den Mikrofon-Einstellungen von Zoom verwendet werden kann, so kann ein Umweg über die kostenlose Software VoiceMeeter helfen. Dieser Weg wird im Folgenden für Windows 10 beschrieben.

VoiceMeeter ist ein virtuelles Audio-Mischpult und bietet genau wie seine „Hardware-Kollegen“ verschiedene Ein- und Ausgänge an.

Zunächst muss der Ausgang von Jamulus auf einen Eingangskanal von VoiceMeeter gelegt werden. Sofern dies nicht mit dem ASIO-Treiber des eigenen Audio-Interfaces möglich ist, kann dies über den ASIO4ALL-Treiber erfolgen:

Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: Einstellungen für den ASIO4ALL-Treiber
Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: Einstellungen für den ASIO4ALL-Treiber

Dann wird der Ton in VoiceMeeter vom „Hardware Input“ über den Bus B an den Ausgang „Virtual Out“ weitergeleitet:

Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: VoiceMeeter-Einstellungen
Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: VoiceMeeter-Einstellungen

Der Ton kann optional über den Bus A auch an den „Hardware Out“-Kanal A1 oder A2 weitergeleitet und damit über den eigenen Kopfhörer gehört werden, sofern dieser nicht am Audio-Interface angeschlossen werden soll. Diese Einstellungen sind zur Vereinfachung im obigen Bild nicht dargestellt.

Im nächsten Schritt ist dann der Ausgang „Virtual Out“ von VoiceMeeter als Mikrofon in den Audio-Einstellungen von Zoom verwendet:

Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: Audio-Einstellungen in Zoom
Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: Audio-Einstellungen in Zoom

Zudem sollte unter Musik und professionelles Audio die Option In-Meeting-Option „Originalton einschalten“ anzeigen aktiviert sein.

Dann sollte bei ausreichend hoch eingestellten Lautstärkereglern in VoiceMeeter der Ton in die Zoom-Session übertragen werden, was an dem grüne Ausschlägen im Mikrofon-Symbol zu erkennen ist:

Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: Mikrofon in Zoom-Session
Weiterleitung von Jamulus nach Zoom: Mikrofon in Zoom-Session

Links oben (blauer Schalter) sollte wie im Bild gezeigt der Originalton eingeschaltet sein.

Da die anderen Teilnehmer in der Zoom-Session ihre Mikrofone zur Vermeidung von Rückkopplungen ausgeschaltet haben sollten, wird man dann selber in der Zoom-Session keinen Ton hören. Ein eigener Test kann sehr einfach erfolgen, wenn man z.B. mit seinem SmartPhone dieser Zoom-Session beitritt. Dann sollte der Ton direkt zu hören sein, wenn die Audio-Wiedergabe auf dem SmartPhone aktiviert wurde.

Wie kann ich einen eigenen Server betreiben?

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Am einfachsten dürfte dies über einen kommerziellen Anbieter wie melomax sein, der direkt das stundenweise Mieten von „fertigen“ Jamulus-Servern sehr günstig anbietet.
  • Ansonsten sollte zunächst der Artikel Running a Server der offiziellen Jamulus-Dokumentation gelesen werden und der Unterschied zwischen den Server Types bekannt sein.
  • Wenn man auf seinem Windows-PC einen eigenen Server starten will, kann dies über den bei der Jamulus-Installation erfolgten Eintrag im Startmenü erfolgen:
Jamulus Server: Link zum Start der Anwendung
Jamulus Server: Link zum Start der Anwendung
  • Daraufhin startet die Server-Anwendung, zu der unter diesem Link weitere Informationen erhältlich sind::
Jamulus Server
Jamulus Server
  • Für die Installation eines Jamulus-Servers auf einem Server in der Amazon-Cloud (AWS) gibt es auf Facebook eine sehr ausführliche Anleitung, die aber nur für technisch sehr versierte Anwender geeignet ist und selber nicht ausprobiert wurde.
  • Wenn man selber bereits z.B. ein NAS von Synology im Einsatz hat, das den Betrieb von Docker-Containern erlaubt, kann auch darüber auch sehr einfach das Docker-Image grundic/jamulus verwendet werden. Darüber kann sowohl ein privater als auch ein öffentlicher Server betrieben werden. Diese Variante kommt für die Verwendung im eigenen Orchester zum Einsatz. Details dazu gerne auf Anfrage über das Kontaktformular.
  • Bestimmt gibt es auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten…